|
Tödliche Lilien
Kriminalroman von Robert Herbig, siebter Band der Bergstraßenreihe.
Umfang: 216 Seiten
ISBN: 978-3-935651-42-4
Preis: 12,80 €
Bei Amazon bestellen!
Beim Verlag bestellen!
Leseprobe Vorabdruck Krimi-Forum
Lesungen
* * *
r hatte Mordgedanken, wenn er an ihn dachte. Daran dachte, ihn langsam ausbluten zu lassen, ihm die Haut bei
lebendigem Leib abzuziehen und ihn danach in einen großen Bottich mit Salz zu stecken,
bei dem nur noch der Kopf herausgucken würde. Leiden sollte er, leiden, so wie er gelitten hatte.
* * *
Kurt Bresser fuhr langsam den Hauptweg zu Feld D hinauf und dachte sich unentwegt neue Qualen für den Verlobten seiner neuen
Eroberung aus. Er fühlte sich müde, erschöpft, und war heilfroh, an diesem frühen Montagmorgen allein unterwegs zu sein.
Die Morgensonne kam noch nicht so richtig durch das dichte Blätterdach, der Weg vor ihm lag immer noch im Halbdunkel.
Kurts Rücken wies heftige Kratzspuren auf, er hatte Muskelkater in fast allen Körperteilen. Das Wochenende war äußerst anstrengend gewesen, die dralle Elvira, die er in einer Mannheimer Disco kennengelernt hatte, verlangte ihm in der letzten Nacht alles ab, was er zu geben bereit war. Gegen 3.00 Uhr hatte sie sich jedoch wortlos angezogen, um Kurts Wohnung zu verlassen. Auf die Frage, warum sie nicht bis zum Frühstück bliebe, erklärte sie Kurt lächelnd und scheinbar ohne schlechtes Gewissen, dass ihr Verlobter, der am Morgen von seiner Schicht käme, sie dann wohl vermissen würde.
Kurt war 28 Jahre alt, ledig und leicht übergewichtig. Er arbeitete seit drei Jahren für die Friedhofsgärtnerei
Pressler, die direkt neben dem Weinheimer Friedhof ihren Sitz hatte. Bei seinen Kollegen in der Firma alles andere als beliebt, glaubte er selbst, dass alle ihn für den Größten hielten. Sein Übergewicht und die Tatsache, dass er ledig war, standen
in seinen Augen in keinem Zusammenhang.
Heute Morgen hatte Kurt seinem Chef Bescheid gesagt, dass er sich um Feld D kümmern würde, und sich ächzend in
den kleinen, engen Pritschenwagen gesetzt. Er war über den Parkplatz in das Friedhofsgelände hineingefahren, hatte Georg Winter, einem Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, mechanisch einen Gruß zugeworfen, nebenbei einen korpulenten Besucher mit einer Kamera registriert und war jetzt auf dem Weg zu Feld D. Immer noch Aggressionen gegen den Verlobten von Elvira hegend, achtete Kurt kaum auf den Weg. Ziemlich spät erst sah er die mannshohe Jesusfigur aus Stein, die das ganze Grabfeld überragte.
Etwas störte Kurt heute an der Figur. Als er noch etwa 30 Meter davon entfernt war, wusste er, was es war: Er sah nicht nur den mittlerweile durch die Witterung stark ramponierten Leib von Jesus, der da heute Morgen ausgestreckt am steinernen Kreuz hing. Da hing auch ein Mann. Ein Mann ganz in Schwarz gehüllt.
Die schlichte Priesterkleidung, die die Person trug, war über und über mit Blut getränkt. Es war ein toter Mann.
* * *
An der Tür hing der schwarze Priesterrock, der in die Reinigung sollte. Es waren ein paar Flecken drangekommen. Etwas Gras, etwas
Erde. Was eben auf einen Anzug kommt, wenn man auf einem Friedhof unterwegs ist. Es war kein Blut auf dem Anzug, da war er sich sicher.
Nein, kein Blut, er hatte aufgepasst. Nur Gras. Gras und Erde.
Kein Blut.
Er zitterte, als er Whisky nachgoss. Kein Blut.
* * *
Lea Schielke, die Schriftstellerin, die mit ihrem Debutkriminalroman "Mord unterm Sternenhimmel" für so viel Aufsehen gesorgt hat, leidet an einer Schreibblockade. Ihre Verlegerin schickt sie daraufhin kurzer Hand von Berlin zu ihrem Vater und ihrem Bruder nach Weinheim an die Bergstraße.
Lea soll in der ruhigen Provinz an ihrem zweiten Roman schreiben und den Stress, den ihre Scheidung mit sich brachte, vergessen.
Leas Bruder, ein Kriminalkommissar in Heidelberg, ist gerade neu zur Kripo versetzt worden und sieht sich sofort mit mehreren grässlichen Morden konfrontiert, die alle etwas mit der Kirche und mit Friedhöfen zu tun haben und in der Nähe seines Wohnortes passieren.
Kaum ist Lea wieder bei Bruder und Vater zu Hause, wird sie auch schon in seinen Fall hinein gezogen.
|