Lilien auf dem FeldeErscheint voraussichtlich 2010. Oder 2011. Oder ... Er hatte Mordgedanken, wenn er an ihn dachte. Daran dachte, ihn langsam ausbluten zu lassen, ihmdie Haut bei lebendigem Haut abzuziehen und danach in einen großen Bottich mit Salz zu stecken, bei dem nur noch der Kopf heraus gucken würde. Er sollte leiden. Kurt Bresser fuhr langsam den Hauptweg zu Feld D hinauf und dachte sich voller Hass ständig neue Tötungsabsichten für den Verlobten seiner neuen Eroberung aus. Er fühlte sich müde, erschöpft und war froh, an diesem frühen Montagmorgen allein unterwegs zu sein. Die Morgensonne kam noch nicht so richtig durch das dichte Blätterdach, der Weg vor ihm lag immer noch im Halbdunkel. Kurts Rücken wies heftige Kratzspuren auf, er hatte Muskelkater in fast allen Körperteilen. Das Wochenende war äußerst anstrengend gewesen, die dralle Elvira, die er in einer Mannheimer Disco kennen gelernt hatte, verlangte in der letzten Nacht alles von ihm ab, was er zu geben bereit war. Gegen drei Uhr hatte sie sich wortlos angezogen, um Kurts Wohnung zu verlassen. Auf die Frage, warum sie nicht bis zum Frühstück bliebe, erklärte sie Kurt lächelnd und scheinbar ohne schlechtes Gewissen, dass ihr Verlobter, der am Morgen von seiner Schicht käme, sie wohl vermissen würde. Kurt war achtundzwanzig Jahre alt, ledig und leicht übergewichtig, arbeitete seit drei Jahren für die Friedhofsgärtnerei Kanther, die direkt neben dem Weinheimer Friedhof ihren Sitz hatte. Er war bei seinen Kollegen in der Firma alles andere als beliebt, glaubte jedoch von sich selbst, dass alle ihn für den Größten hielten. Das Übergewicht und die Tatsache, dass er ledig war, standen in seinen Augen in keinem Zusammenhang. Heute morgen hatte Kurt drei Aufträge vom schwarzen Brett genommen, seinem Chef Bescheid gesagt und sich ächzend in den kleinen, engen Firmenwagen gesetzt. Er war über den Parkplatz in den Friedhof hinein gefahren, hatte Georg Winter, einem Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung mechanisch einen Gruß zugeworfen, nebenbei einen korpulenten Besucher mit einer Kamera registriert und war jetzt auf dem Weg zum Grab von Frau Sabine Weiler. Es war das Erste, um das er sich heute Morgen kümmern wollte. Gedankenverloren, immer noch Mordgedanken gegen den Verlobten von Elvira hegend, achtete Kurt kaum vor sich auf den Weg. Ziemlich spät sah er zur mannshohen Jesusfigur aus Stein, die das ganze Grabfeld überragte. Etwas störte Kurt heute an der Figur. Als er noch etwa dreißig Meter davon entfernt war, wusste er, was es war. Es war nicht nur der Leib Jesus, der da heute morgen ausgestreckt am steinernen Kreuz hing. Da hing auch ein Mann in Schwarz. Ein Mann der schlichte Priesterkleidung trug, die über und über mit Blut getränkt war. Ein toter Mann. Was auf einen Anzug kommt, wenn man auf einem Friedhof unterwegs ist. Es war kein Blut auf dem Anzug, da war er sicher. Nein, kein Blut, er hatte aufgepasst. Nur Gras. Gras und Erde. Kein Blut. Er zitterte, als er Whiskey nachgoss. Kein Blut.
Thea Schielke, die Schriftstellerin, die mit ihrem Debutkriminalroman "Mord unterm Sternenhimmel" für so viel Aufsehen gesorgt hat, hat eine
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